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Ärztestatistik/GehaltsreportParadox: Versorgung wird weiblich – Strukturen und Gehälter weiterhin männlich

31.05.2026Ausgabe 6/20262min. Lesedauer

Die aktuelle Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK) sowie neue Coliquio-Reports zeigen massive Diskrepanzen: Während Ärztinnen erstmals die Mehrheit in der Versorgung stellen, offenbart der Gehaltsvergleich eine Lücke von 32 Prozent zu ihren männlichen Kollegen.

Ärztinnen in der Überzahl

Die deutsche Ärzteschaft hat einen Wendepunkt erreicht: Laut BÄK-Ärztestatistik sind zum 31.12.2025 erstmals über 50 Prozent der insgesamt rund 446.000 berufstätigen Ärztinnen und Ärzte weiblich. Der Prozentanteil der rund 225.400 berufstätigen Ärztinnen beträgt 50,5 Prozent. In der Radiologie ist der Anteil der Ärztinnen etwas geringer: 38,2 Prozent der insgesamt rund 10.400 Radiologinnen und Radiologen sind weiblich (BÄK-Ärztestatistik online unter iww.de/s15674).

Die Auswertungen des neuesten Gehaltsreports 2025 (online unter iww.de/s15258) und des aktuellen Stimmungsbarometers des Ärztenetzwerks Coliquio (iww.de/s15259) zeigen gleichzeitig, dass Ärztinnen finanziell erheblich benachteiligt werden.

67.000-Euro-Graben

Zwar liegt nach Angaben der Befragten das durchschnittliche Bruttojahresgehalt über alle Fachgruppen hinweg bei soliden 155.300 Euro. Doch der Durchschnitt verdeckt eine tiefe Kluft zwischen den Geschlechtern. Während Ärzte im Durchschnitt 182.100 Euro erzielen, kommen Ärztinnen nur auf 114.800 Euro – eine Differenz von rund 67.300 Euro jährlich! Besonders alarmierend: Dieser „Gender Pay Gap“ lässt sich nicht allein durch die höhere Teilzeitquote bei Frauen (46 Prozent vs. 18 Prozent bei Männern) erklären. Selbst im direkten Vergleich von Vollzeitkräften verdienen Ärztinnen im Schnitt 32 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (138.600 Euro vs. 203.700 Euro)!

Ärztinnen beklagen unfaire Vergütung

Diese Zahlen korrelieren stark mit der gefühlten Realität. Das Coliquio-Stimmungsbarometer zeigt, dass sich Ärztinnen signifikant häufiger unfair vergütet fühlen als Ärzte. „Die Medizin ist weiblich geworden, aber die Karrierestrukturen und Vergütungsmodelle bilden diese Realität oft noch nicht ab“, so die Coliquio-Redaktion. „Ärztinnen sind eine tragende Säule der Versorgung. Dennoch berichten sie überproportional oft von fehlender Wertschätzung und strukturellen Hürden.“

Fachgruppen-Ranking

Der Report liefert zudem Einblicke in die Verdienstmöglichkeiten nach Fachrichtung und Standort:

  • Spitzenreiter: Die Fachbereiche Augenheilkunde, Radiologie oder Kardiologie liegen gehaltlich weit vorne.
  • Schlusslichter: Am unteren Ende der Skala finden sich Fachgebiete wie die psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
  • Standortfaktor: Baden-Württemberg führt das Gehaltsranking mit durchschnittlich 182.000 Euro an. Berlin (131.100 Euro) und Sachsen-Anhalt (130.100 Euro) landen am Ende des Rankings.

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