Röntgenkongress „Beim #ROEKO2026 zeigen wir, wie jung, modern, divers unsere Fachgesellschaft ist!“
Radiologie grenzenlos – so lautet der Titel des 107. Deutschen Röntgenkongresses (Röko), dessen Präsenzteil vom 13.05. bis 15.05.2026 in Leipzig stattfindet (roentgenkongress.de). Das Präsidium bilden zwei Fachärzte und eine Fachärztin für Radiologie: Prof. Dr. Saif Afat, geschäftsführender Oberarzt in der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Tübingen, PD Dr. Bettina Baeßler, geschäftsführende Gesellschafterin der Lernrad GmbH, und PD Dr. Daniel Pinto dos Santos, geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion Künstliche Intelligenz (KI) sowie Imaging Data Science der Universitätsmedizin Mainz. Ursula Katthöfer (textwiese.com) führte mit den beiden Herren ein Doppelinterview.
Redaktion: Sie bilden mutmaßlich das erste Präsidiums-Trio in der Geschichte des Röko. Was ist noch anders als sonst?
Prof. Afat: Wir sind alle drei keine Chefärzte und das bisher jüngste und diverseste Präsidium des Röko. Ich bin in Bagdad geboren und Daniel ist Portugiese. Die DRG ist offener, diverser und jünger geworden, das spiegelt sich auch in Satzung und Präambel wieder. Für mich kam mit der Modernisierung der Satzung die zündende Idee zur Präsidentschaft. Ich möchte zeigen, wie modern und aufgeschlossen unsere Fachgesellschaft ist. Allein wollte ich die Präsidentschaft nicht übernehmen, also habe ich Daniel gefragt. Wir haben gebrainstormt und kamen schnell auf Bettina, da wir in verschiedenen DRG-Gremien schon lange gut zusammenarbeiten.
Redaktion: Außerdem sind Sie nicht um die Präsidentschaft gebeten worden, sondern haben sich beworben. Wieso?
Prof. Afat: Der DRG-Vorstand hat das Verfahren geöffnet und ermöglicht Bewerbungen für das Kongresspräsidium. Wir haben ein zweiseitiges Konzeptpapier erarbeitet und dieses ohne persönliche Fürsprache eingereicht. Der Vorstand hat das Konzept sehr positiv aufgenommen und sich geschlossen dafür ausgesprochen.
Dr. Pinto dos Santos: Wir waren überglücklich, als wir hörten, wie gut unsere Bewerbung ankam und dass das Präsidium für den Röko 2026 noch nicht feststand. In gewisser Weise ist die DRG damit ein Risiko eingegangen, das Präsidium an uns als vielleicht etwas weniger erfahrene und etablierte Führungskräfte in der Radiologie zu vergeben.
Redaktion: „Radiologie grenzenlos“ ist das Motto des Kongresses, der viele partizipative Elemente wie Community Calls, Ideen-Pitches und Votings hat. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Dr. Pinto dos Santos: Für Personen, die in der Fachgesellschaft nicht so stark verwurzelt sind, ist es eine gewisse Hürde, am Röko teilzunehmen und ihn mitzugestalten. Wir wollten deshalb der breiteren Community über die Aktion „We want you for #ROEKO2026!“ die Möglichkeit geben, niederschwellig gestalterischen Einfluss zu nehmen. Es kamen 45 wirklich tolle Vortrags- bzw. Sessionideen, mit denen wir den Röko bereichern konnten. Solche Aktionen öffnen Türen, die schwer zu durchschreiten sind, für Vortragende mit neuen Ideen, die vielleicht noch nicht so gut vernetzt sind.
Prof. Dr. Afat: Ideen kamen auch aus den Arbeitsgemeinschaften der DRG, die neue Gesichter dazuholen wollten. So haben wir tolle Vorträge z. B. über Thoraxradiologie und viele neuroradiologische Themen im Programm. Ich freue mich besonders auf die Besucherinnen und Besucher, die zum ersten Mal kommen. Sie werden erleben, wie faszinierend Radiologie ist.
Redaktion: Lassen Sie uns näher über das Programm reden. Zur lebendigen Wissensvermittlung gehören auch die „Rockstars of Radiology“. Wer ist das?
Prof. Dr. Afat: Das wird eine Überraschung. In dieser Reihe mit drei Sitzungen wollen wir Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Radiologie anhand von Persönlichkeiten nachzeichnen, die unser Fach prägten, prägen oder noch prägen werden. Es sind alles Personen, die man kennt. Die Reihe soll motivieren und inspirieren.
Redaktion: Gehört auch die „Steile These“ in diese Kategorie der Formate?
Dr. Pinto dos Santos: Ja, das ist mein Herzensprojekt. In der Radiologie gibt es einige Themen, bei denen bestimmte Einschätzungen, teilweise auch zu Recht, als gesetzt gelten und nicht mehr hinterfragt werden. Diese Themen dann doch einmal – gerne auch spielerisch – zu hinterfragen, soll das Ziel dieser Sitzungen sein. Zur Dramaturgie der „Steilen These“ gehört, dass zwei Personen möglichst kontrovers miteinander diskutieren, z. B. über KI. Sie vertreten dabei nicht unbedingt ihre eigene Meinung, sondern vorgegebene Pro- und Contra-Positionen. Damit wollen wir das Publikum zum Nachdenken über vermeintliche Gewissheiten anregen.
Redaktion: Besteht Gefahr, dass bei so modernen Formaten Wissenschaft und Fortbildung zu kurz kommen?
Prof. Dr. Afat: Nein. Es gibt großartige Formate, die sich als Teil der Lehre bewährt haben. Doch wir handeln nach der Devise: Wenn ihr eine Session plant und dabei denkt, man könne sie digital machen, dann macht sie digital. Wir wollen den Live-Charakter des Kongresses maximal ausnutzen. Und Panels funktionieren eben nicht über Zoom.
Dr. Pinto dos Santos: Wissenschaft, Forschung und Fortbildung haben auch dieses Jahr wie bei jedem Röko einen wichtigen Platz – wir versuchen es nur, wo möglich, um interaktive Elemente zu ergänzen. In den Highlight-Sessions geht es dann beispielsweise um Themen der Gesundheitsvorsorge und der Arbeitswelt, auch da natürlich mit einem wissenschaftlichen und fachlichen Bezug. Unter dem Stichwort Mobilität schauen wir uns an, wie es ist, in Deutschland ausgebildet zu sein und ins Ausland zu gehen. Oder aus dem Ausland zu kommen und mit dem deutschen System konfrontiert zu werden. Für die Eröffnungsveranstaltung haben wir einen Speaker, der Wissenschaft mit Unterhaltung und Comedy kombiniert.
Redaktion: Welche interdisziplinären Veranstaltungen sind vorgesehen?
Prof. Dr. Afat: Dazu gehören beispielsweise Sessions mit Hausärzten zum Lungenkrebsscreening sowie Sessions zur Dermatologie und plastischen Chirurgie. Wir haben auch eine Patientenvertreterin aus Wien eingeladen, um die europäische Perspektive einzunehmen. Doch auch bei der Interdisziplinarität gehen wir neue Wege. So haben wir sehr seriöse Medfluencer eingeladen. In der Session „How to medfluence“ erarbeiten wir, was im ärztlichen Beruf auf Social Media rechtlich erlaubt ist und was Patienten von uns bei der Arzt-Patienten-Kommunikation erwarten. Es kommen auch Medfluencer aus der MTR-Szene sowie ein Medizinstudent, der auf Social Media bereits eine sehr große Reichweite hat.
Redaktion: Auch Kunst und Kultur sollen beim Röko eine Rolle spielen. Schon das Plakat, das mit Pink, Türkis und Honiggelb hinterlegte Röntgenbilder zeigt, ist ein Hingucker. Was hat Kunst mit einem medizinischen Kongress zu tun?
Prof. Dr. Afat: Das Plakat stammt von Ernesto Romano, einem italienischen Künstler, der aus Radiologie Kunst macht. Dieses Plakat soll auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt den Kongress überdauern. Ernesto Romano wird während des Kongresses seine Werke ausstellen. Denn im Wort „grenzenlos“ verstecken sich auch Kunst, Kultur und Networking.
Redaktion: Stichwort Networking. Was sticht heraus?
Dr. Pinto dos Santos: Bei einigen Formaten ist die Session mehr der Impuls als die umfassende finale Abarbeitung des Themas. Im Idealfall können sich Vortragende und Zuhörende dann anschließend ausführlich über das Thema austauschen. Dazu haben wir z. B. in der „DRG-Welt“ Räume geschaffen, in denen man sich aufhalten und besprechen kann. Andere Veranstaltungen werden trotzdem ganz klassisch Diskussions- und Fragezeiten innerhalb der Session haben.
Prof. Dr. Afat: Die DRG-Welt ist grenzenlos. Es gibt keinen Bereich, an dem Radiologinnen und Radiologen, MTR, Studierende, Industrie oder Patienten nur für sich sind. Es wird Meeting-Points geben mit der Gelegenheit, sich zu unterhalten und gemeinsam etwas zu trinken.
Das größte Networking-Event ist auch in diesem Jahr der Röko-Feierabend, der diesmal am Donnerstag ist, also am Tag mit den meisten Besucherinnen und Besuchern. Er findet nicht im Kongresszentrum, sondern in der Moritzbastei in der Leipziger Innenstadt statt, damit die Wege zum Hotel kurz sind. Diesmal wird er nicht um Punkt 0 Uhr enden. Wer länger feiern und talken möchte, ist herzlich eingeladen, zu bleiben.
Redaktion: Warum ist der Kongress in Leipzig und nicht mehr in Wiesbaden?
Pinto dos Santos: Die DRG wechselt den Standort alle fünf Jahre. Es ist nicht trivial für einen so großen Kongress einen geeigneten Ort zu finden, schon allein deshalb, weil die Industrie für ihre Großgeräte einen guten Zugang benötigt. Letztlich hat die DRG-Mitgliederversammlung zwischen Hamburg und Leipzig entschieden. Leipzig hatte am Ende einfach das wirtschaftlich bessere Gesamtpaket. Wir waren wegen der Vorbereitung inzwischen mehrmals dort und ich glaube, dass Leipzig oft unterschätzt wird. Die Stadt bietet sehr viel, wir sind sehr glücklich mit der Wahl als Kongressort.
Redaktion: Mit welchem Gefühl sollen die Teilnehmenden nach dem Kongress zurück in ihre Kliniken und Niederlassungen fahren?
Prof. Dr. Afat: Schon während des Kongresses entsteht ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens. Es ist wie kurz vor Weihnachten, wenn alle sich in ihrem Heimatort wiedertreffen, oder wie eine High School Reunion. Für die Zeit nach dem Kongress wünschen wir uns, dass unser Spirit bleibt: Wir können stolz auf unser modernes Fach sein. Für mich persönlich wird der Aufenthalt in Leipzig etwas Nostalgisches haben. Denn als junger Assistenzarzt, der nicht einmal DRG-Mitglied war, habe ich dort meinen ersten Röko erlebt. Jetzt als Mitglied des Kongresspräsidiums zurückzukommen, ist ein ganz besonderes Gefühl.
Vielen Dank!
(ID:50695467)
Sie möchten gerne kostenfrei weiterlesen?
Sie sind neu auf rwf-online.de?
Dann registrieren Sie sich bitte einmalig für das Radiologen WirtschaftsForum, um alle Beiträge kostenfrei in voller Länge lesen zu können.
RegistrierungSie sind bereits Leser des Radiologen WirtschaftsForum?
Super! Dann geben Sie bitte einfach Ihre E-Mail-Adresse an.