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Kommunikation/Weiterbildung„Zusammenarbeit mit MTR auf Augenhöhe steigert Qualität und Wirtschaftlichkeit!“

03.08.2026Ausgabe 8/20266min. Lesedauer

„SPINnen im Scanner“ heißt ein Fortbildungsformat in der noninvasiven Herzbildgebung, das sowohl Radiologinnen und Radiologen als auch Medizinische Technologinnen und Technologen für Radiologie (MTR) anspricht. Es setzt auf interprofessionelle Standardisierung, Teamarbeit und patientenzentrierte Versorgungsqualität. Die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) zeichnete das Projekt mit dem Wachsmann-Innovationspreis 2026 aus. Hinter „SPINnen im Scanner“ stehen stellvertretend für ihr Team Sebastian Reinartz, Professor für noninvasive kardiovaskuläre Bildgebung und Marion Müller, leitende MTR für die CT, beide aus dem Universitätsklinikum Jena. Das Interview mit Ursula Katthöfer (textwiese.com) gaben sie als Team.

Redaktion: Warum ist die Interprofessionalität für Sie so wichtig?

Prof. Reinartz: Sie ist in der komplexen Herzbildgebung extrem wichtig, weil nur das Team uns in der Patientenversorgung weiterbringt. Ähnlich wie der Pilot nicht jede Komponente kontrollieren kann, aber scheinbare Kleinigkeiten große Folgen haben könnten, muss auch der Radiologe oder die Radiologin auf kompetente Zusammenarbeit setzen.

Ein Beispiel: Ein Patient bekommt i. v. Kontrastmittel, sein Arm wird dick, weil der Zugang „para“ gelaufen ist. Das ist komplett vermeidbar, wenn die MTR den Zugang vorab kontrolliert und im Zweifel einen neuen Zugang vorschlägt.

Müller: Weil wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten, reden wir uns mit Vornamen an und duzen uns. Wenn mir etwas auffällt, ist so die Hemmschwelle gering, es anzusprechen.

Redaktion: Um diese Zusammenarbeit geht es auch bei „SPINnen im Scanner“. Wie kam es zu dem Namen und worum geht es in der Fortbildung?

Prof. Reinartz: Der Name geht auf Prof. Dr. Werner Kaiser, Pionier des Mamma-MRT, zurück. Er widmete eine jährlich stattfindende Veranstaltung jeweils einem MRT, also SPIN-Thema. Das Wortspiel bezog sich ursprünglich auch auf Krabbeltiere. Dieses innovative Format lädt zum Experimentieren ein. Deshalb haben wir uns getraut, die interprofessionelle Zertifizierung zu adressieren. Ärzte und MTRs bilden sich gemeinsam fort, um mit- und voneinander zu lernen und das Handeln der jeweils anderen Profession besser zu verstehen.

Redaktion: Könnten Sie ein Beispiel nennen, wo ein besseres gegenseitiges Verständnis weiterhelfen würde?

Prof. Reinartz: Ärzte wundern sich möglicherweise über eine suboptimale Bildqualität, obwohl die MTR alles ordnungsgemäß umgesetzt hat. Ihnen ist unter Umständen nicht klar, dass ein spezifischer Protokollkniff das Problem beheben könnte: Oft kennen die MTR die gerätespezifische Eigenart, die sie erst durch die Kommunikation als Problem wahrnehmen.

Müller: Andererseits wissen wir als MTR manchmal nicht, warum eine bestimmte Anordnung oder Kontrastmittelphase wichtig ist. Wenn wir aber verstehen, warum eine gewisse Sequenz wichtig ist, können wir leicht darauf fokussieren. Dann lässt sich die Diagnose sicherer stellen.

Außerdem sind wir direkt an den Patientinnen und Patienten, wir können sie authentisch durch die Untersuchung führen. Beispielsweise soll die Herzfrequenz während der Koronar-CT möglichst 60 bpm betragen. Darauf hat die Atmung einen großen Einfluss. Wir können das einfache Kommando „Einatmen, Luft anhalten“ geben. Wir können aber auch eine Art Atem-Yoga vorgeben: „Einatmen, ausatmen, einatmen, Luft anhalten.“ Dann beruhigt sich der Patient physiologisch. Dadurch bleibt ihm möglicherweise ein Betablocker erspart und die Bildqualität wird spürbar besser. Solche Themen besprechen wir in der Fortbildung mit den Ärzten.

Das kommt sehr gut an und ist klinisch relevant.

Redaktion: Gab es auf einer Seite der beiden Berufsgruppen schon Vorbehalte gegen die gemeinsame Fortbildung?

Prof. Reinartz: Ein erfahrener Kollege gab das ehrliche Feedback, dass er für sich nur wenig Neues erfahren habe. Das mag an dem Mittelweg liegen, den wir gewählt haben, um die Fortbildung für beide Professionen spannend zu gestalten. Wir gehen medizinisch bewusst nicht auf Raritäten ein, sondern stellen die interprofessionelle Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Der Anspruch ist also nicht, über Kolibris zu referieren, sondern alltägliche Probleme zu besprechen und interprofessionell zu bewältigen. Wir wollen, dass die Kursteilnehmenden im Hochdurchsatzbereich besser werden. Deshalb geht es um wesentliche Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Kardiomyopathien. Für Teilnehmende, die die letzten Forschungsergebnisse erfahren möchten, eignet sich „SPINnen im Scanner“ also weniger.

Redaktion: Ärzte sammeln CME-Punkte, MTR werden zertifiziert. Wie haben Sie die Ansprüche an die Nachweispflicht unter einen Hut bekommen?

Prof. Reinartz: Ein Masterkurs Q2 Herz für Ärzte dauert üblicherweise einen Tag mit acht Stunden Lehre. Für den Erwerb der Zusatzbezeichnung „Fachkraft für kardiovaskuläre Bildgebung“ für MTR sind hingegen drei Module, die jeweils einen vollen Tag dauern, nötig. Wir haben das Zeitdilemma so gelöst, dass wir das Modul 1 virtuell in der Lernplattform der Deutschen Röntgengesellschaft (CONRAD) gefilmt und aufgebaut haben. Erst wenn die Teilnehmenden Modul 1 absolviert haben, werden sie für die Fortbildung mit den Ärztinnen und Ärzten zugelassen. Die Präsenzmodule 2 und 3 haben wir auf eineinhalb Tagen untergebracht. Am Ende legen die MTR eine Prüfung ab, die ihrem kompletten Curriculum entspricht. Die Ärzte nutzen das Wissen für ihre spätere Q2-Prüfung.

Müller: Für Modul 1 haben wir Lernvideos von insgesamt 180 Minuten erstellt. Darin zeigen wir typische Situationen am Scanner und den guten Umgang mit den Patienten. Auch didaktisch aufgearbeitete Vorträge wurden aufgezeichnet. Das ist eine sehr gute Vorbereitung auf die Module 2 und 3, gerade für Anfänger in der Thematik. Die MTR können bei Fragen, die sie während der Fortbildung stellen möchten, direkt auf den Punkt kommen. Sie können berichten, wie das Herz-CT bei ihnen abläuft und welche Besonderheiten es gibt. Viele empfinden dies als sehr produktives Lernen.

Redaktion: Beziehen Sie auch andere Fachdisziplinen in die Fortbildung ein, etwa aus der Inneren Medizin oder aus der medizinischen Physik?

Prof. Reinartz: Ja, wir haben eine Medizinphysikerin, einen Rheumatologen, einen Kardiologen sowie einen Herzchirurgen unter den Referierenden, also die typischen Fachdisziplinen der Zuweisenden. Ziel war, dass wir uns in der Radiologie damit befassen sollten, worauf es z. B. bei einer Herz-OP ankommt, welche Zugangswege und Operationstechniken angewendet werden sollen. Die Fortbildung hilft, das klinische Problem der Zuweisenden zu verstehen und zu begreifen, was sie von unserer Bildgebung wollen. Wird ein Patient bei einer Herz-OP beispielsweise an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, wird die Aorta an einer bestimmten Stelle geklemmt. Sitzt ausgerechnet an dieser Stelle eine Kalkablagerung, kann diese zerbröseln und embolisieren – mit dem Risiko eines Schlaganfalls. Es ist also keinesfalls belanglos, wo sich in der Aorta Kalk befindet. Der Herzchirurg hat uns verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass wir ihn nach unserer Bildgebung auf diese Position von Kalk hinweisen.

Redaktion: Welche wirtschaftlichen Vorteile hat diese enge Zusammenarbeit?

Prof. Reinartz: Die Tischzeiten im CT verkürzen sich drastisch, ein höherer Patientendurchsatz wird möglich bei gesteigerter Prozessqualität. Auch dazu ein Beispiel: Die MTR darf den Nitrospray applizieren, um die Kranzgefäße des Patienten zu erweitern. Wenn sie allerdings mehrfach die Autorisierung erfragen muss, weil der Arzt im Befund oder Patientengespräch ist, steht das CT eventuell still. Hinzu kommt die Patientenverunsicherung wegen der Verzögerung. Zusätzlich nimmt die MTR Verzögerungen ihres Untersuchungsprogramms in Kauf, was nicht fair ist.

All diese negativen Auswirkungen lassen sich z. B. durch eine gemeinsame Checkliste verhindern, die individuell für jeden Patienten vorab ausgefüllt wird und die beide Professionen einsehen. Das erfordert initial eine zusätzliche Investition an Zeit, steigert die Qualität aber deutlich. Die MTR kann gemäß ihrer klinischen Kompetenzen autark arbeiten, der Patient entwickelt keine unnötigen Ängste und wir reduzieren die Tischzeit im CT auf im Mittel acht Minuten. Es ist nicht nur für Kliniken, sondern auch für Niederlassungen relevant, wenn die Patienten sich gut aufgehoben fühlen.

Redaktion: Frau Müller, wie macht die enge interdisziplinäre Verzahnung Ihren Arbeitsplatz attraktiver?

Müller: Mit dem Zertifikat für kardiovaskuläre Fachkraft habe ich verschiedene Kompetenzen erworben, die ich im Alltag sehr gut anwenden kann. So kann ich mich noch aktiver in die Untersuchungen einbringen. Als Bindeglied zwischen Patienten und Ärzten kann ich den Untersuchungsablauf sowie die Untersuchungen selbst optimieren. Es entsteht eine verbesserte Kommunikationsbasis, von der letztendlich alle Seiten profitieren. Die enge Verzahnung schafft Vertrauen und Selbstbewusstsein, die den Arbeitsplatz attraktiver macht.

Vielen Dank!

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